Julius Kästle: "Rappen ist für mich ein Hobby"

 

Julius Kästle

BALINGEN-FROMMERN. Der 16-jährige Julius Kästle verarbeitet seit drei Jahren persönliche Erlebnisse zu eigenen Rap-Songs – und das mit jeder Menge Kreativität ...

Es ist ein Phänomen, das wohl jeder aus seiner Jugend kennt: Die Eltern zwingen einen zu etwas, auf das man überhaupt keine Lust hat – und am Ende muss man ihnen dann doch dankbar dafür sein.

So ging erging es auch Julius Kästle, als seine Mutter ihn vor etwa drei Jahren beim Sommerferienprogramm "HipHop selber machen" im Frommerner Jugendtreff anmeldete. "Eigentlich wollte ich da gar nicht hin", erinnert sich Julius, dem die Hip-Hop-Musik schon immer gefallen hat. "Aber es hat dann doch Spaß gemacht."

Und nicht nur das, er stellte sich auch so gut an, dass Martin Profus, selbst Rapper und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Jugendtreffs, dem Realschüler vorschlug, auch in Zukunft bei ihm im Tonstudio vorbeizuschauen. Was Julius dann regelmäßig tat.

Noten lesen kann er nicht

Völliges Neuland war die Musik damals nicht für ihn: "Ich habe vier Jahre lang Schlagzeug gespielt und jetzt spiele ich hobbymäßig Klavier", erzählt der junge Rapper. Noten lesen kann er zwar nicht, "nur Schlagzeug-Noten", aber diese gewisse Begabung und das Gespür für Musik kann man ohnehin nicht lernen. Man hat es einfach.

Was Julius sich jedoch angeeignet hat, sind die technischen Fähigkeiten: das Abmischen der Songs oder das Angleichen der Tonspuren – eine aufwändige Arbeit, die fast soviel Zeit in Anspruch nimmt, wie die Texte zu schreiben.

Die sind bei ihm sehr persönlich und beruhen auf eigenen Erfahrungen. "Ich mag kein niveauloses Zeug oder wenn man erzählt, wie kriminell man angeblich ist", stellt Julius fest. Stattdessen rappt er als "Jey" über tiefgründigere Erlebnisse: "Ich dachte für immer" zum Beispiel, das sich um die schmerzhafte Trennung von seiner Freundin dreht, oder über einen Freund ohne deutsche Staatsbürgerschaft in "Du schaffst es weit", der vor anderthalb Jahren auf eine russische Militärakademie wechselte. "Er ist jetzt wohl in Afghanistan", glaubt der Frommerner. "Ich habe schon lange nichts mehr von ihm gehört."

Über seine Gefühle, sagt Julius, rede er nicht gerne, aber er schaffe es, sie in seinen Songs auszudrücken. Auf Deutsch, übrigens: "Ich höre eigentlich auch nur Deutsch-Rap und fast keinen amerikanischen." Vier seiner besten Songs kann man sich auf YouTube unter "Extreams1" anhören, aber es gebe noch "jede Menge andere auf irgendwelchen USB-Sticks".

Für einige davon holt er sich Schützenhilfe: Julius arbeitet öfter mit befreundeten Sängerinnen oder Kumpels zusammen, oft auch gemeinsam mit Martin Profus, der wie Julius in seiner Jugend mit Rap angefangen hat. Demnächst, irgendwann im neuen Jahr, wird er wohl auch mit Lisa Strothmann, der Gewinnerin von "Albstadt sucht den Superstar" im Frommerner Tonstudio stehen.

"Geplant ist viel", sagt Julius. "Mal schauen, was davon alles klappt." Vielleicht ja auch mal ein Auftritt? "Könnte mir schon vorstellen", meint er – sofern sich eine Gelegenheit ergebe. Denn hochfliegende Pläne hat das junge Talent bisher nicht: "Rappen ist für mich ein Hobby."

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