Muss 16-Jähriger viereinhalb Jahre ins Gefängnis?

 

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BALINGEN. Der heute 16-Jährige, der an einer Bandendiebstahls-Serie beteiligt und in Balingen immer wieder Polizisten beleidigt und attackiert haben soll, muss wohl hinter Gitter ...

SIEHE AUCH: 19-Jähriger unter Alkohol total ausgetickt

Am vorletzten Verhandlungstermin vor der Jugendkammer des Landgerichts Hechingen hat Staatsanwalt Markus Engel gestern viereinhalb Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung für den jungen Mann gefordert. Der 16-Jährige habe wiederholt seine "rechtsfeindliche Gesinnung" unter Beweis gestellt, zeige Respekt "vor nichts und niemandem". Außerdem bestehe eine enorme Wiederholungsgefahr, so Engel.

Der junge Mann war, wie er selbst eingeräumt hat, an zahlreichen Einbrüchen und Diebstählen beteiligt, die sich im Jahr 2011 im ganzen Zollernalbkreis ereigneten. Er und andere, die bereits in der vergangenen Woche zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden, sind unter anderem verantwortlich für die Einbrüche ins Café Catrina, ins Sport- und ins Jugendheim Frommern sowie ins Motorradgeschäft Götz in Grosselfingen und für die Diebstähle mehrerer Roller und eines Motorrads. Erst langwierige Ermittlungen hatten die Polizei auf die Spur der Diebesbande geführt.

Wegen zahlreichen Fällen aktenkundig

Aber auch quasi Auge in Auge hatte der 16-Jährige immer wieder mit Beamten zu tun: Vor allem im Mai dieses Jahres wurde er wegen zahlreichen Fällen von Beleidigung sowie handgreiflichen Auseinandersetzungen aktenkundig. Vor dem Parkhaus Wilhelmstraße schleuderte er einen schweren Standaschenbecher auf den Mitarbeiter des Balinger Sicherheitsdiensts und attackierte – Kopf voraus – einen Polizisten.

Für die Fälle im Mai und Juni 2012 sieht Staatsanwalt Engel eine teilweise verminderte Schuldfähigkeit des 16-Jährigen als gegeben. In diesem Monat war dessen großer Bruder inhaftiert worden (der hatte in Frommern einem Polizisten eine Schreckschusswaffe an den Kopf gehalten und gespannt). Dadurch, sagte ein Gutachter aus, sei er "völlig aus der Bahn geworfen" worden, weil sein großer Bruder eine Bezugsperson gewesen sei. Er habe dann damit begonnen, richtig viel zu trinken, auch habe sich ein "Hass auf die Polizei" entwickelt.

Auf einer nicht gerade üblichen Bahn war er indes schon davor: In der siebten Klasse flog er von der Hauptschule Frommern und wechselte an die Sichelschule Balingen, von der er nach kurzer Zeit ebenfalls verwiesen wurde. Anschließend drückte er in Bisingen die Schulbank, einen Abschluss machte er aber nicht, weil er die Projektprüfungen sausen ließ. Mit 14 wurde er bei Gericht erstmals wegen Unterschlagung aktenkundig, es folgte kurz darauf eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Immer wieder wurde er in der Folge festgenommen, saß auch einige Tage in Ungehorsamsarrest. Seinen ersten Alkohol-Rausch hatte er im Alter von elf Jahren. Mit dem Trinken wurde es erst dann weniger, als er im Alter von 13 Jahren anfing, Haschisch und Marihuana zu rauchen.

Der psychiatrische Gutachter attestiert ihm soziale Anpassungsstörungen und eine extreme Gewaltbereitschaft. Dies rühre möglicherweise aus der in der Familie erlebten Gewalterfahrungen her: Er, sein Bruder und seine Mutter seien vom Vater immer wieder geschlagen worden; die Eltern sind mittlerweile geschieden.

Urteil werden nächste Woche gesprochen

Auch zwei der drei weiteren Angeklagten der vom Staatsanwalt als "Frommerner Jugendgang" bezeichneten Gruppe müssen sich wohl auf eine Zeit hinter Gittern einstellen. Eineinhalb Jahre Jugendstrafe forderte Staatsanwalt Engel für den jungen Mann, der unter anderem beim Handballfest 2012 in Weilstetten durch einen Steinwurf zwei Besucher verletzt hat und während des Balinger Volksfest zwei Besucher verletzte. Auch er ist einschlägig vorbestraft, erschwerend kommt hinzu, dass er seit Beginn der Verhandlung Ende September weitere Straftaten begangen hat.

Für einen weiteren jungen Mann, 18 Jahre alt, forderte Engel wegen Beamtenbeleidigung, Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ebenfalls eineinhalb Jahre ohne Bewährung – vor allem auch deshalb, weil er zum Zeitpunkt der Taten unter Bewährung stand (schwere und gefährliche Körperverletzung). Für den vierten Angeklagten (16) beantragte Engel eine Jugendstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie 50 Stunden gemeinnützige Arbeit. Die Urteile verkündet Richter Herbert Anderer in der nächsten Woche.

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