Familientragödie in Horb gibt Rätsel auf

 
Tatort in Horb-Dießen

HORB. Nach der Familientragödie in Horb-Dießen mit zwei toten Kindern und einer erhängten Mutter sucht die Polizei nach dem Ehemann und Vater ...

SIEHE AUCH: Drei Tote bei Familientragödie in Horb

Das helle Haus in der Höfenstraße ist in mediterranem Stil gehalten und noch ziemlich neu. Es liegt in einem Neubaugebiet am Rand des kleinen Dorfes Dießen, in einem Tal voller Wiesen und Bäume, durch das der Dießenbach fließt.

In dem Ort herrscht Entsetzen

In diesem Haus spielte sich an einem der vergangenen Tage eine Tragödie ab, die der Polizei Rätsel aufgibt. Drei Menschen kamen auf bislang ungeklärte Weise ums Leben.

Die 39-Jährige Miriam B. wurde am Mittwochvormittag erhängt im Kinderzimmer gefunden, die beiden Kinder der Familie, der fünfjährige Connor und die vierjährige Uma, lagen mit einer Decke zugedeckt tot im Ehebett, umgeben von Blutspuren.

Nach dem Entsetzen über den Fund einer Babyleiche in einem Gefrierschrank im Mai vergangenen Jahres auf dem Horber Hohenberg sind die Horber nun erneut erschüttert über ein Familiendrama in ihrer Stadt.

In Dießen mischt sich in dieses Entsetzen auch Angst, denn die Polizei kann nicht ausschließen, dass die Mutter und ihre Kinder ermordet wurden.

Die Familie nahm am gesellschaftlichen Leben des Dorfes teil und hatte in der Stadt viele Bekannte. Die Kinder Connor und Uma gingen in den Kindergarten, der Ehemann R., nach dem die Polizei nun sucht, ist kein Unbekannter in der Stadt.

Kontakte bestanden auch zu Nachbarn in der Straße. Eine Nachbarin war es auch, die am Mittwoch um 10.31 Uhr der Polizei mitteilte, dass sie Miriam B. seit Tagen nicht mehr gesehen habe und befürchte, dass etwas passiert sei.

Blutspuren an der Türklinke

Einen ähnlichen Verdacht schöpfte bereits am Sonntag Miriam B.s in Nagold lebende Schwester. Vergeblich wartete sie an diesem Tag auf den Besuch der Dießenerin.

Doch offenbar erst am Dienstag oder am Mittwoch bat sie eine Bekannte aus Dießen, sich bei der Familie zu melden und nachzusehen, ob alles in Ordnung sei.

Als sie vor der verschlossenen Haustür stand, fielen ihr Blutspuren an der Türklinke auf. Sie alarmierte sofort die Polizei. Wenig später standen die Polizeibeamten vor den Szenen des Grauens.

Zu Täter, Tatverlauf und Hintergründen der Taten konnten die Kriminalpolizei Freudenstadt und die Staatsanwaltschaft Rottweil am Mittwoch in einer Pressekonferenz im Dießener Gemeindesaal noch keine Einzelheiten bekannt geben.

Unklar ist, ob die 39-Jährige erst die Kinder und dann sich selbst tötete, ob die Kinder auf andere Weise ums Leben kamen oder ob alle drei umgebracht wurden.

Ehemann mittlerweile gefunden

Erfolg hatten die Beamten mittlerweile bei der Suche nach dem Ehemann. Er soll sich inzwischen gemeldet und dabei vom Tod seiner Familienmitglieder erfahren haben. Er war offenbar beruflich im Ausland unterwegs, seine Vernehmung steht aber noch aus.

Laut Robert Trautwein, Erster Kriminalhauptkommissar, gibt es Blutspuren um das Bett, in dem die mit einer Decke zugedeckten Kinder lagen.

Blutspuren fanden sich auch am Arm der Frau. Die Spurenlage lasse derzeit jedoch noch keine Rückschlüsse zu. "Wir wissen noch nicht, wie es zu dem Umstand gekommen ist, dass wir dort drei tote Menschen haben", so Trautwein in Dießen.

Am Donnerstag soll eine Untersuchung der Leichen weitere Erkenntnisse bringen. Laut Staatsanwalt Frank Grundke, der die Ermittlungen leitet, vermutet die Polizei, dass sich die Familientragödie am Wochenende ereignete.

Bis dahin sei die Frau noch lebend gesehen worden. Eine Nachbarin berichtete, sie habe am Sonntag gesehen, dass die Schwiegermutter im Haus gewesen sei.

Am Freitag noch im Kindergarten

Auch im Kindergarten im Nachbardorf Dettingen, den Connor und Uma seit einem dreiviertel Jahr besuchten, herrscht tiefe Betroffenheit. Viel und gerne gelacht hätten die Kinder, betont Maria-Theresia Thomaier, die Leiterin des Kindergartens. Sie könne die Tat selbst noch nicht begreifen. Die Mutter habe stets das Beste für ihre Kinder gewollt und alles getan, damit diese optimal gefördert werden.

Am vergangenen Freitag besuchten die beiden zum letzten Mal den Kindergarten. Die Mutter habe nachmittags neben ihren eigenen Kindern auch ein Tageskind betreut, das ebenfalls den Dettinger Kindergarten besucht, erzählt Thomaier. Allerdings habe sie im Kindergarten mitgeteilt, dass die Betreuung des anderen Kindes am Montag nicht möglich sei.

Ohne Angabe von Gründen habe sie dies auch am Dienstag nicht gemacht, was angesichts der sonst sehr gewissenhaften Art der Frau stutzig gemacht habe, so Thomaier.

Am Mittwochnachmittag wurden die Kindergartenkinder von einer herbeigeeilten Mutter und einer Praktikantin betreut. Sie wisse selbst noch nicht, wie sie den anderen Kindern die Sache beibringen solle, klagt die Leiterin. Dabei hätten sich die beiden Kinder doch so auf die Suche der Osternester in den kommenden Tagen gefreut.

Die Kripo hat mit umfangreichen Ermittlungen begonnen und wird in den nächsten Tagen auch mit Personen aus dem Umfeld der Familie sprechen. Bereits jetzt gibt es Hinweise darauf, dass die Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckte.

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