In den Fängen der "Spinnendroge"

 

Drogen

HORB. »Zehn Minuten später sah ich einen Vogel und Spinnen an den Wänden.«, das berichten Jugendliche oft über ihre Erfahrungen mit scheinbar harmlosen Medikamenten ...

Die Verbreitung immer neuer synthetischer Drogen macht auch vor dem Kreis Freudenstadt keinen Halt: Sie heißen DOB, DON oder DOI und versprechen den besonderen Trip. Im November 2008 beispielsweise hob die Polizei in einem Horber Ortsteil eine Drogenküche aus, in der DOB hergestellt wurde. Die als »Superdroge« geltende Substanz verursacht unter anderem Halluzinationen und wirkt bereits in geringen Mengen tödlich. DOB steht für 2,5-Dimethoxy-4-Brom-Amphetamin – eine von vielen bizarr anmutenden Verkettungen von Substanzen, die Rauschzustände hervorrufen.

Hochgefährlichen Drogencocktails aus Medikamenten


Ein anderer Wirkstoff heißt Dextrometorphan, kurz DXM, und ist eigentlich gar nicht so bizarr: DXM ist in Hustenstillern enthalten, die man in jeder Apotheke für wenig Geld kaufen kann. Diphenhydramin oder kurz DPH heißt ein anderer Wirkstoff, der gegen Schlaflosigkeit und Übelkeit eingesetzt wird, und von den Jugendlichen zusammen mit DXM geschluckt wird. So entwickeln sich relativ harmlose Medikamente zu hochgefährlichen Drogencocktails, oftmals noch gemischt mit Alkohol.

Auch bei Horber Jugendlichen greift dieser Trend um sich. Dem Vernehmen nach hat sich an einer der städtischen Schulen sogar eine größere Clique gebildet, die den Konsum dieser als Drogen missbrauchten Medikamente gemeinschaftlich betreibt. Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten bestätigte eine Apotheke im Kreis Freudenstadt, dass es zu verdächtigen Medikamentenkäufen kommt. In einem Fall sei der Verkauf der Medikamente sogar verweigert worden. Kontrollieren oder eindämmen lässt sich diese Art von Medikamenten-Missbrauch nur schwierig, bewegen sich die Konsumenten doch in einer »halb legalen« Grauzone. »Das Problem ist bekannt, und für die Polizei ist es natürlich ein Thema«, sagt Martin Zerrinius, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Freudenstadt.

»Es kommen immer neue Substanzen auf den Markt«

Auch diese Art von Drogenkonsum habe rechtliche Auswirkungen, zum Beispiel wenn ein DXM-Berauschter hinterm Auto-Steuer erwischt wird. »Die Substanzen lassen sich mit Bluttests ermitteln«, so Zerrinius. Wenn ein Berauschter draußen in einem hilflosen Zustand gefunden wird, zum Beispiel nach einer Party, ist ebenfalls die Polizei gefragt. Laut Zerrinius stellen die synthetischen Drogen im Kreis Freudenstadt derzeit »kein Riesenproblem« dar. Eine gezielte Prävention gibt es nicht. »Es kommen immer wieder neue Substanzen auf den Markt, und da hecheln wir manchmal hinterher.« Die Konsumenten wissen dagegen sehr wohl, auf was sie sich einlassen, tauschen sie sich doch im Internet seitenweise über ihre Erfahrungen mit diesen Drogen aus. »Als ich bei meinem ersten Trip eine Spinne gesehen hatte, durchfuhr mich im gesamten Körper kurzzeitig eine so starke Angst, wie ich sie noch nie in meinem Leben gespürt hatte«, schreibt ein Konsument, der sich »Ex-Träumer« nennt.

Der Spinnen-Horror zählt bereits zu den unerwünschten Nebenwirkungen, denn eigentlich wollen die Konsumenten einfach nur »breit« sein, das heißt, einen Rauschzustand erleben, der ähnlich ist wie bei Alkohol – nur angeblich schöner. Die Wirkungen bei Langzeit-Konsum sind alles andere als schön: psychische Krankheiten, Sucht, dauerhafte Hirnschäden. Ein Horber Arzt, der nicht genannt werden will, gibt der Pharmaindustrie eine Mitschuld an dieser speziellen Drogenproblematik: »Ich habe den Eindruck, dass bei manchen Medikamenten ein gewisser Suchtfaktor durchaus erwünscht ist.«

Kommentare (3)add comment

Brauskotellie schrieb:

@polytox
Danke! Du hast mir soeben eine Menge Schreiberei erspart.
 
11.01.2013 10:38 Uhr

Träumerin schrieb:

Word!
Großartiger Kommentar Polytox.
Meine vollste Zustimmung. Danke dafür!
 
03.01.2013 07:38 Uhr

polytox schrieb:

Sie werden nicht den Anstand haben...
diesen Kommentar zu veröffentlichen.

Deshalb habe ich das schon einmal selbst getan:

http://polytox.wordpress.com/2010/01/12/der-schwarzwalder-bote-und-die-spinnendroge/

Trotzdem liste ich kurz die Fehler auf:

1. Wenn Sie schon so marktschreierisch auf http://de.wikipedia.org/wiki/Dermatozoenwahn anspielen, dann anerkennen Sie gefälligst, dass das eine typische Langzeitfolge von zuviel Kokain ist. Nicht von den Halluzinogenen, mit denen Sie hier jonglieren, und auch nicht von DXM.

2. DON gibt es nicht. Den chemischen Namen von DOB haben Sie korrekt von der Wikipedia kopiert. Aber was ist eine "bizarr anmutende Verkettung von Substanzen, die Rauschzustände hervorrufen"?. Schauen Sie mal: "5-Hydroxytryptamin" – mutet gefährlich an, oder? Ist Serotonin und in ihrem ganzen Körper. Oder "Dimethyltryptamin". Hopsa, bizarre Droge? Droge ja, gefährlich nein. Und gleichzeitig ebenfalls ein körpereigener Neurotransmitter. Von GHB gar nicht zu reden. Erkennen Sie an: Zum Leben benötigen Sie die selben Substanzen in Ihrem Körper, die sie hier verschreien. Und alle sind sie "Verkettungen", genauer gesagt: Moleküle. "Bizarr" liegt im Auge des Betrachters, aber das Ihrige ist trüb. Schauen Sie: Das ganz kriminelle "(5R)-5-[(1S)-1,2-Dihydroxyethyl]-3,4-dihydroxy-5-hydrofuran-2-on" – nur Vitamin C. Aber lassen wir das. Chemie auf Gymnasialniveau ist offenbar nicht vonnöten, um für Ihr Blatt schreiben zu dürfen.

3. Wenn Sie behaupten, dass irgendwas als "Superdroge" gilt, dann nennen Sie doch bitte Quellen. Die Jugendlichen, über die Sie hier schreiben, besorgen sich sonst womöglich tatsächlich das Zeug. Und Sie sind dann schuld. Was ist denn eine "tödliche geringe Menge"? Wenn Sie fünf Liter Wasser auf einmal trinken, sterben Sie an http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperhydration, soweit man Sie nicht ganz schnell mit Elektrolyten versorgt. Aber drei Liter am Tag empfiehlt der Arzt. Der Abstand zwischen Dosis und Überdosis liegt also nur bei 2/5. Bei Heroin ist es Faktor 2. Bei Alkohol ist es Faktor 3. Bei Kokain Faktor 5. Bei Amphetamin Faktor 10. Bei LSD Faktor 100 – geschätzt, denn es ist noch keiner dran gestorben. 20-30fache Überdosen sind belegt. Das wären dann 2-3 Milligramm. Also ungefähr soviel, wie eine sicherlich nicht tödliche Normaldosis DOB.

4. Ja, die meisten illegalen Räusche sind nicht nur schöner, sondern auch weniger schädlich als Alkohol. Recherchieren Sie doch mal die statistische Gefährlichkeit von Alkohol. Die Prävalenz von http://de.wikipedia.org/wiki/Delirium_tremens. Zum Vergleich das Verhältnis zwischen Kokainkonsumenten und Kokaingeschädigten, um eine der schädlichsten und gefährlichsten illegalen Drogen zu nennen. Hinterfragen Sie Gründe und Motive der Prohibition. Vergleichen Sie mit dem Alkoholverbot in den USA, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fragen Sie sich, warum Menschen seit Jahrtausenden Psilocybin, Meskalin, DMT, Salvinorin A (uhhhh! Wirkt schon ab 500 Mikrogramm! Super-Superdroge!) zu sich genommen haben. Ihnen werden Flutlichter aufgehen. Leider ist ihr Artikel in einem Ton geschrieben, als wären Sie auf Koks gewesen. Da geht Ihnen natürlich nichts mehr auf, da glauben Sie, Sie wüssten schon alles.

5. Wenn Sie das nächste Mal etwas über Drogen wissen wollen, dann lesen Sie doch nicht nur oberflächlich im LdT. Der Kollege hat sich keinesfalls selbst "Ex-Träumer" genannt. Legen Sie sich Shulgins "PIHKAL" auf den Nachttisch, falls Sie des Englischen mächtig sind. Wenn nicht, lernen Sie Englisch. Es wird sich lohnen, allein wegen diesem einen Buch. Und schauen Sie, was es von Prof. David Nutt Neues gibt.

Aber um Himmels willen, halten Sie Abstand von der Polizei. Die hat nun wirklich am allerwenigsten Ahnung von Drogen.
 
12.01.2010 15:23 Uhr

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