Horber Black Jackets: "Großer Einfluss" auf Jugendliche

 
Die Zahl 210 vor de Clubheim steht für die Initialien 'B' und 'J' für Black Jackets

HORB. Cem (Name von der Redaktion geändert) ist der Pressesprecher der Black Jackets in Horb. Und seit Montag muss er viele Antworten geben …

SIEHE AUCH: Prozess gegen die Black Jackets

Eine Stadt im Ausnahmezustand. Diesen Eindruck konnte man bekommen, wenn man das Szenario am Montagnachmittag beobachtete. An allen Stadteingängen kontrollierten Polizisten sowie Männer und Frauen des Sondereinsatzkommandos Baden-Württemberg die einfahrenden Autos und warfen – eine Maschinenpistole in der Hand – einen Blick in den Wagen. Am Unteren Markt fuhren immer wieder Polizeiautos mit Blaulicht, vor dem Gebäude des ehemaligen Gasthauses Krone und drumherum standen ebenfalls bewaffnete Polizisten.

Zum Artikel: "Black Jackets versetzen Horb in Aufregung"

"Die Polizei hat alles hochgepusht", sagt Cem einen Tag danach. Bis zu 200 auswärtige Anhänger der Organisation, die landesweit ihre Gruppierungen hat, wollten laut Polizeiangaben den Horber Präsidenten der Black Jackets stürzen. Verständnis für das massive Aufgebot der Polizei hat Cem nicht. Seine Einschätzung: "In jeder Familie gibt es Meinungsverschiedenheiten."

Die Familie, das sind für Cem die Black Jackets. Auch an dem Sturz des Präsidenten sei nichts dran: "Einen Präsidenten kann man nicht stürzen. Das stand gar nicht zur Debatte", sagt er mit Entschlossenheit. "Unser Präsident wurde von der Polizei gegen seinen Willen festgenommen." Dennoch sagt er: "Nach den Vorfällen in Esslingen wird alles hochgefahren. Dass die Polizei dann so reagiert, ist berechtigt. Die Polizei hat keinen Mist gebaut."

Esslingen – dort sollen Anhänger der Black Jackets 15 türkischstämmige Personen auf brutale Art zusammengeschlagen haben. Cem und seine Horber Kollegen möchten mit diesen und anderen Vorfällen nichts zu tun haben. "Wir in Horb distanzieren uns davon, falls Black Jackets aus anderen Städten dort dabei waren." Und er fügt hinzu: "Seitdem diese Vorfälle in den Medien sind, sind die Black Jackets ein Politikum."

Keine Frage, Cem weiß sich auszudrücken. Viele arbeiten im Sicherheitsdienst Doch wer sind die Black Jackets und was machen sie in Horb? 184 Mitglieder aller Nationalitäten seien es, die der Horber Organisation angehören, so Cem. Gut die Hälfte seien Deutsche. "Wir wollen Gutes tun, aber nicht darüber reden. Wenn man einem Menschen hilft, tut man dies von Herzen, und nicht, um der Gesellschaft zu imponieren. Tue Gutes und erwarte nichts", sagt er. Viele von ihnen arbeiten im Sicherheitsdienst, "auch im Stadion beim VfB Stuttgart". Sie wollen »"wei Profiboxer groß rausbringen". Und: "Wir fördern Künstler. Wir haben auch einen Autor in unseren Reihen. Es ist schön, wenn man begabte Menschen fördern kann« Seitdem die Black Jackets in Horb seien, gebe es auch keine Drogendealer mehr in der Stadt: "Vor ein paar Jahren war es richtig extrem."

Drogen seien ein absolutes Tabuthema für die Black Jackets. "Wir haben in unserem Clubhaus sogar Alkoholverbot." Cem erhält Unterstützung. Anna Zielke vom "Ring der Hoffnung" bricht eine Lanze für die Black Jackets. Der vor Kurzem neu gegründete Horber Verein kümmert sich in der Stadt – vor allem auf dem Haugenstein, aber nicht nur dort – um Jugendliche, die es schwer in der Gesellschaft haben oder auf die schiefe Bahn geraten sind.

Beim Gründungsfest freute man sich auch über die Gratulation von Stadtvertretern. "Wir arbeiten schon lange gut mit den Black Jackets zusammen", berichtet Zielke, die genauso wie ihre Vereinskollegin Dina Pfeffer auf der CDU-Liste für den Gemeinderat kandidierte. Einige Black-Jackets-Mitglieder seien auch Mitglieder beim "Ring der Hoffnung", so Zielke. Unter anderem habe der "Ring der Hoffnung" gemeinsam mit den Black Jackets die Autogrammstunde mit dem Star-Rapper Massiv organisiert. "Die Horber Black Jackets haben sehr viel Respekt und großen Einfluss." Sie würden helfen, wenn jemand von den Jugendlichen negativ auffallen würde. "Sie bringen den Kontakt zustande, sprechen mit den Eltern, suchen Ausbildungsstellen und helfen mit Rat und Tat. Ohne sie könnten wir viele Probleme nicht lösen."

Die Ereignisse vom Montag könne sie nicht nachvollziehen. Wollen die Black Jackets also einfach nur helfen? Die Polizei wollte am Dienstag keine Auskunft zur Gruppierung und ihrem Wirken geben. Und auch der Stadt liegen kaum Informationen vor. Pressesprecher Cem will Vorurteile abbauen: "Wir bitten die Horber Mitbürger: Nicht alles, was schwarz ist, ist schlecht. Wir laden alle ein, in unserem Clubhaus vorbeizukommen. Dass manche vor uns Angst haben, ist für uns sehr traurig."

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