Fasnet ohne Alkohol: Für Jugendliche undenkbar?

 

Alkohol

KREIS FREUDENSTADT. Am Schmotzigen nehmen die Narren das Ruder in die Hand. Der Haken: Mancher denkt bei Fasnet vor allem an ein Saufgelage ...

SIEHE AUCH: In Rottweil gibt's Alkohol erst ab 25

"Fasnet ohne Alkohol ist für viele Jugendliche undenkbar", sagt Rüdiger Holderried von der mobilen Jugendarbeit in Freudenstadt. Und ergänzt sofort, dass das auch auf viele, besonders junge Erwachsene zutreffe. Fasnet wird also eher als Gelegenheit zum Feiern gesehen, denn als altes Brauchtum. "Da geht’s ums Feiern", sagt Holderried. Allerdings betreffe dies die Erwachsenen genauso wie Jugendliche.

Um die kümmert er sich aber, wenn sie es beim Fasnetfeiern – oder zu anderen Anlässen – definitiv übertrieben haben und mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen. Im Rahmen des Projekts HaLt (Hart am Limit) besucht Holderried Jugendliche im Krankenhaus und redet mit ihnen – sofern sie das wollen. Über die Fasnet sei da meistens ein Anstieg zu verzeichnen, erzählt der 34-Jährige. In diesem Jahr sei es bisher allerdings ruhig geblieben.

Insgesamt sei die Zahl der Jugendlichen, die wegen Verdachts auf eine Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, in den vergangenen Jahren rückläufig, erklärt Holderried. 2012 waren es 45 eingelieferte Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren. Früher seien es mehr Jungs gewesen, die wegen zu viel Alkohol im Krankenhaus landen. Inzwischen holten die Mädels auf, erklärt Holderried. Insgesamt sei aber die Gesellschaft im Bezug auf das Thema Alkohol aufmerksamer geworden. Man reagiere jetzt schneller als früher.

Holderried wünscht sich allerdings noch einen viel weitergehenden Wandel in der Gesellschaft. "Mein Job ist es, Jugendliche zu beschützen", sagt er schlicht. "Die kriegen ja auch was vorgelebt", erklärt der Jugendarbeiter und bezieht sich damit auf die Erwachsenen, die in regelmäßigem Kontakt zu Jugendlichen stehen. Diese hätten die Chance, auf die Jugendlichen einzuwirken – indem sie zum Beispiel keinen Alkohol mit ihnen trinken, sondern einfach auf antialkoholische Getränke zurückgreifen. "Das ist ein großer Wunsch, ich weiß", seufzt Holderried. Dass Fasnetsfeiern immer wieder von Alkoholgelagen und damit verbundenen Schlägereien überschattet werden, findet er schade. Die Horber Straßenfasnet zum Beispiel sei etwas wirklich Tolles, schwärmt Holderried – wenn da nicht die sporadischen Prügeleien wären. "Ohne Alkohol geb’s nicht so viele Schlägereien", ist sich Holderried sicher. Alkohol enthemmt.

Das gilt natürlich nicht nur während der Fasnet. Richtige Schwerpunkte im Jahr, an denen Jugendliche besonders viel Trinken, kann Holderried aber nicht ausmachen. Allerdings weist er gleich auf die hohe Dunkelziffer hin, immerhin erfahre er nur von den Jugendlichen, die sich nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus über HaLt an ihn wenden.

Ereignisse im Jahr, an denen immer viel passieren könnte, seien das Freudenstädter Stadtfest, das Mini-Rock-Festival in Horb oder große Spiele während der Fußball-WM. Das Spannende sei, dass an diesen Terminen aber eben nicht unbedingt etwas passieren müsse. Übermäßiger Alkoholgenuss scheint sich an keine festen Termine im Jahr zu halten.

Der Schmotzige bietet sich aber schon an für das ein oder andere Gläschen. In Freudenstadt sei der Schmotzige schon ein Grund zum Trinken, findet Holderried.

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleinere Text-Box | größere Text-Box

security image
Bitte den Sicherheits-Code eintragen *

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

busy
( 0 Stimmen )
Drucken
Bandlexikon

WOODZ WEEKLY

woodZ weekly

Jeden Freitag im "Schwarzwälder Bote"

woodZ sagt Tschüss - wie es weitergeht, erfahrt ihr hier

 

SOCIAL MEDIA

 

HOTLIST

GEWINNSPIELE

Home schwarzwaelder-bote.de