Mrs. Greenbird: "Viele können uns nicht greifen"

 

Mrs. Greenbird

Vor einigen Wochen haben Sarah und Steffen die dritte Staffel von "X-Factor" gewonnen. Jetzt ist das erste Album von Mrs. Greenbird erschienen - und wir haben uns mit den beiden getroffen ...

woodZ: Vor einem Monat habt ihr bei "X-Factor" gewonnen. Wie hat sich euer Leben seither verändert?
Steffen: Nicht großartig, wir haben seitdem nur viel gearbeitet. Letztes Wochenende hatten wir das erste freie Wochenende seit sieben Wochen. Nachdem wir gewonnen haben, ging es nach der Aftershowparty und nur einer Stunde Schlaf zum Frühstücksfernsehen und zu weiteren Terminen, Videodreh zur Single ... Seit gestern Abend sind wir wieder zu Hause und haben endlich die Möglichkeit, die Geschehnisse der letzten Wochen und Monate bisschen Revue passieren zu lassen.

Ihr seid die ersten Kandidaten, die mit einem selbst geschriebenen Song bei "X-Factor" gewonnen haben. Habt ihr den Song "Shooting Stars & Fairy Tales" speziell fürs Finale geschrieben?
Steffen: Ja, das kann man so sagen. Alle Liveshow-Kandidaten haben angefangen, an Siegersingles zu arbeiten, und so eine Single muss möglichst ein bisschen poppig und radiotauglich sein. "Shooting Stars & Fairy Tales" ist entstanden, als wir einen Termin mit paar netten Songwritern, mit denen wir zusammenarbeiten wollten, in Hamburg hatten. Sarah hatte die Songidee schon länger und hat sich einen Tag vorher im Wohnzimmer hingesetzt und den Songtext grob runtergeschrieben. Ich habe dann auf dem Weg nach Hamburg die Gitarre ausgepackt und wir haben angefangen, die Strophe zu entwickeln. Als wir in Hamburg ankamen, war der Song fast fertig. Wir haben mit den Jungs dann noch an Details gearbeitet und das Ganze verfeinert. Dann haben wir eine Demo aufgenommen, sind abends wieder nach Hause gefahren und hatten den Song komplett im Sack.

Und wie hat es sich angefühlt, den eigenen Song erstmals live vor einem breitem Publikum zu präsentieren?
Sarah: Das Öffentliche ist auf jeden Fall immer Seele zeigen, das was einen bewegt und beschäftigt. Natürlich ist es ein Risiko, aber man kann sich nicht dahinter verstecken. Wenn es dein eigener Song ist, steckt viel mehr Herzblut dahinter. Das ist natürlich jedes Mal total aufregend.

Es gibt viele Vorurteile gegenüber Castingsbands. Könnt ihr das nachvollziehen?
Sarah: Total, wir hatten ja auch diese Vorurteile. Doch ich glaube, dass die Menschen, die sich tatsächlich mit uns beschäftigen, die Vorurteile ablegen werden. Die anderen Menschen betrachten das Ganze grob oder gehen da nicht so in die Tiefe. Es gibt mittlerweile so viele Shows, da kann man schon leicht den Überblick verlieren ...

Welche Erfahrungen habt ihr aus der TV-Show mitgenommen?
Steffen: Wir wussten vorher schon, worauf wir uns einlassen und uns im Bereich TV-Unterhaltung bewegen, wo es bestimmte Regeln gibt, damit so was funktioniert. Man muss sich drauf einlassen wollen und können. Wir haben aber von Anfang an bestimmte Grenzen festgesetzt, indem wir gesagt haben, wir sind kompromissbereit, solange wir uns selbst nicht aufgeben müssen. Es hat immer gut funktioniert und wir haben dort unglaublich viele nette Leute um uns herum gehabt. Trotzdem mussten wir uns an manchen Stellen durchsetzen, weil es immer Punkte gab, wo viele Leute meinten zu wissen, was jetzt das Beste wäre - da muss man dann aber einfach auf den Tisch hauen und sagen: Liebe Leute, so läuft es nicht! Unser Vorteil ist, dass wir beide schon lange zusammen Musik machen und uns deshalb auch etwas im Geschäft auskennen. Solange man ein gutes und kooperatives Team hinter sich hat, ist es auch kein Problem.

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"Die Arbeit am Album war anstrengend"
Mrs. GreenbirdEine große deutsche Tageszeitung hat euch in einem Artikel als "Hippie-Pärchen" betitelt. Würdet ihr euch selbst auch so bezeichnen?
Sarah: Ich persönlich sehe mich nicht als Hippie, Steffen schon gar nicht. Wenn schon einer von uns, dann eher ich, weil ich gerne viele Ohrringe trage und lange Röcke mag. Ansonsten sind wir weder von der Lebenseinstellung noch vom Stil her Hippies. Aber ich kann es verstehen, dass Menschen irgendetwas brauchen, woran sie sich orientieren können. Ich glaube, dass viele uns nicht greifen können, weil ich Röcke und Federohrringe trage und Steffen eine Akustikgitarre hat - da ist es halt leicht, uns in die Schublade zu stecken. 

Was war euer bisher übelster Job vor eurer Musikkarriere?
Sarah: Meiner war, als ich mit hochgradig traumatisierten und verhaltungsgestörten Kindern gearbeitet habe, die sich fast jeden Tag zu Tode geprügelt haben. Das ist keinesfalls übertrieben! Es war schon ganz schön hart und eine schwere Zeit für mich.
Steffen: Bei mir war es die Arbeit bei Mc Donald's, die nicht so der Brüller war. Auf den Hamburgern und Big Macs sind doch immer die ganz kleinen eingelegten Zwiebeln drauf, die musste ich immer mit den Fingern aus den Eimern nehmen (zumindest war es früher so) und damit die Burger belegen. Danach haben meine Finger zwei Wochen nach den Zwiebeln gestunken. Das war schon eine ziemlich üble Erfahrung ...

Was könnt ihr uns über euer Album berichten? (Mrs. Greenbird erscheint am 21.12.12, Anm. der Red.)
Steffen: Die Arbeit war kurz, anstrengend, aber auch schön. Für die Albumproduktion hatten wir nur zehn Tage Zeit, was für eine Produktion der Größenordnung extrem wenig ist. Wir haben unglaublich viel im Studio gearbeitet und wenig geschlafen. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden und ziemlich überrascht, was wir in der kurzen Zeit auf die Beine stellen konnten. Das Album enthält neben zwei Coversongs, die wir speziell ausgesucht und auch in der Show gesungen haben, nur eigene Songs von uns. Es sind Songs die wir größtenteils schon länger live spielen, die wir dadurch gut kennen und zu 100 Prozent repräsentieren, deshalb ist uns das Album besonders wichtig.

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Wie findet ihr Leute, die auf den letzten Drücker Geschenke kaufen?
Sarah: Ich finde das gar nicht so schlimm, solange man nicht ganz herzlos irgendetwas kauft, nur um etwas zu kaufen. Die Familie von Steffen schenkt sich nichts mehr. In unserer Familie beschenken wir uns aber weiterhin und ich mag das auch sehr gerne. Ich habe eine Geschenkekiste und kaufe immer das ganze Jahr über Sachen. Deswegen habe ich meistens schon alles vorbereitet. Dieses Jahr kam aber so vieles auf einmal, so dass ich es nicht ganz geschafft habe. Ich habe dem Steffen noch am Sonntag im Onlineshop ein Geschenk besorgt, damit es auch pünktlich zu Weihnachten ankommt.

Steffen: Ich finde Lastminute-Shopper super, weil ich selbst einer bin. Ich mag es, einen Tag vor Heiligabend oder an Heiligabend noch mal in Ruhe loszugehen, ohne den Druck, was kaufen zu müssen und dann die Leute anzuschauen, die sich zu Tode prügeln, um die letzten Geschenke abzubekommen. Und dann nach Möglichkeit auch die ersten runtergesetzten Weihnachtsleckereien zu kaufen, die es schon im Sonderangebot gibt, weil nach Weihnachten will sie keiner mehr.

Gibt es etwas, an das ihr glaubt?
Steffen: Man kann schon sagen, dass wir an Gott glauben. Es sind Themen, worüber wir viel sprechen und uns gegenseitig austauschen, weil es einfach wichtig ist.

Wie sehen eure Wünsche und Pläne fürs kommende Jahr aus?
Steffen: Wir wünschen uns, dass die Leute unser Album mögen und mit uns zusammen Spaß an unseren Liedern haben. Außerdem wünschen wir uns eine tolle Tour, denn wir werden zum ersten Mal eine richtige Tour quer durch Deutschland machen. Wir freuen uns, dort unsere ganzen neu gewonnenen Fans kennenzulernen und mit denen eine gute Zeit zu verbringen.

Fotos © Nikolaj Georgiew

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