Green Day gehen auf "Dos!" zurück in die Neunziger

Eigentlich gelten Green Day als Dinosaurier des Punkrocks. Erfolg haben sie trotzdem: Auch der zweite Teil ihrer Album-Trilogie kommt überraschend gut an ...
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Es war der denkbar schlechteste Moment zum Ausflippen, aber ein echter Rockstar kann sich das eben nicht aussuchen. Gerade als das neue Green-Day-Album "Uno!" als Teil einer ambitionierten Trilogie auf den Markt kam, verlor Frontmann Billie Joe Armstrong die Nerven. Bei einem Festival in Las Vegas im September pöbelte er mitten in einem Song plötzlich herum, er sei kein verdammter Justin Bieber, dem man einfach so den Auftritt verkürzen könne, zertrümmerte die Gitarre und stürmte von der Bühne.
Die Band stellte wenig später in einer Entschuldigung kleinlaut klar, das Konzert sollte gar nicht gekürzt werden, Armstrong ging nach seinem von "F-Wörtern" durchsetzten Ausraster in den Entzug, Werbeauftritte wurden gestrichen und alle Konzerte bis Ende Februar 2013 abgesagt. Eine denkbar schlechter Ausgangslage, um in heutiger Zeit ein großes Musikpaket einer nicht unbedingt heiß angesagten Band zu verkaufen. Aber es läuft erstaunlich gut: "Uno!" debütierte in den USA auf Chart-Platz zwei und auf dem dritten Rang in Deutschland, für den gerade eben erschienenen zweiten Teil "Dos!" sieht es ähnlich gut aus.
Das ist nicht selbstverständlich: Die Musiker von Green Day sind mit ihren gerade einmal 40 Jahren so etwas wie die Dinosaurier der Punk-Rock-Szene. Fast 20 Jahre ist es her, dass der Hit "When I Come Around" sie aus der Nische in den Musik-Mainstream befördert hat. Mehr als 60 Millionen Alben dürften sie seitdem verkauft haben. Auf eine Durststrecke nach sozialkritischen Experimenten zur Jahrhundertwende folgte ein überraschendes Comeback mit "American Idiot" 2004, einer verkappten Rock-Oper, die später auch als Musical auf die Bühne kam. Und "21st Century Breakdown" war auch wieder ein tiefgründigeres Konzept-Album.
Mit "Uno!" und "Dos!" kehrt Green Day auf die alten Tage in einer musikalischen Verjüngungskurs zu den Punk-Rock-Wurzeln zurück: Laut, fröhlich, nahezu pubertär - als wären die 90er nie zu Ende gegangen. Die Gitarren dröhnen, das Schlagzeug hetzt nach vorn, die Melodien sind einfach und klar. Die Gitarren-Linie auf "F... Time" aus "Dos!" hätte auch direkt von den späten Beatles kommen können, "Stray Heart" ist ein potenzieller leichtfüßiger Radio-Hit. Der Song-Titel "Wow! That's Loud" ist Programm.
Zu hören ist der Spaß, mit dem die Musiker nach 25 Jahren im Geschäft in kurzer Zeit um die 40 Album-taugliche Songs eingespielt haben. US-Kritiker empfanden "Uno!" eher als Aufwärmrunde, "Dos!" als inspirierter und sind auf das für Mitte Dezember angekündigte "Tré!" gespannt - denn alle drei Alben waren schon fertig, bevor Armstrongs Alkoholproblem ihn in der Entzugsklinik verschwinden ließ.

Geschrieben von: dpa
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