Klimaerwärmung: Elche in Taschenformat
geschrieben von: Irina Herth in woodZ weekly

Verdammt, ich muss noch Gassi gehen. Komm, kleiner Elch. Elch? Ja genau! Elche werden bald nicht mehr viel größer sein als Schoßhündchen ...
Die Klimaerwärmung ist ja an so manchem Phänomen Schuld. Vor allem in Zukunft wird sich die Welt unter den steigenden Temperaturen stark verändern, warnen die Wissenschaftler. Und alles hängt irgendwie zusammen: Die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Holland versinkt in den Fluten und die Elche in Schweden schrumpfen. Letzteres behaupten zumindest schwedische Forscher. "Durch den Klimawandel könnten Schwedens Elche bereits in 100 Jahren stark geschrumpft oder auch ausgestorben sein", warnt Professor Göran Ericsson von der Agraruniversität Umea. Zukunftsmodelle zeigen, dass wir mit einer Erderwärmung von 1,1 bis 6,4 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 rechnen müssen.
Und das dürfte dem schwedischen Nationaltier zu warm sein. Im Süden Schwedens, wo es wärmer ist, sind die Elche bereits kleiner als ihre Kollegen im kalten Norden. Deshalb haben die Forscher jetzt ein Projekt ins Leben gerufen, das Erkenntnisse bringen soll. Zum Elch im Klimawandel. Die stattlichen Tiere, so die Forscher, könnten uns in 100 Jahren nur noch bis zu den Knien reichen. Was für eine seltsame Vorstellung! Aber warum sollten sie denn überhaupt schrumpfen?
Ganz einfach: Elche sind deshalb so groß und so schwer, um die harten Wintermonate im rauen Klima Nordschwedens zu überleben. Die vielen Muskeln erzeugen Wärme, die dicke Fettschicht schützt vor dem Auskühlen und das Fell vor dem eisigen Wind. Wenn sich die Tiere davor aber gar nicht mehr schützen müssen, weil in Zukunft in Skandinavien durch die Erwärmung ein gemäßigtes Klima herrscht, ist es ein natürlicher evolutionärer Vorgang, dass sich die Elche an die veränderten Bedingungen anpassen.
Haben wir denn keine wichtigeren Probleme, fragen sich da manche Schweden, die wütend darüber sind, dass Forschungsgelder für das Elch-Projekt ausgegeben werden. Vielleicht, na ja, sagen wir eher wahrscheinlich. Aber es wird wohl immer Menschen geben, die sich für gesellschaftliche Randgruppen stark machen. Und wenn wir nicht demnächst mit Elchen statt mit Hunden an der Leine Gassi gehen wollen, sollten wir alles dafür tun, den Klimawandel einzudämmen.

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