Aus der Zeit, als verabreden noch unkompliziert war
geschrieben von: Steffie Kübler in woodZ weekly

Das "Früher war alles anders"-Gerede hat unsere Autorin als Kind zu Tode gelangweilt. Doch auf einmal vermisst sie die guten alten Zeiten auch ...
Was hab ich mich als Kind gelangweilt, wenn ich mir auf Familienfeiern anhören musste, wie anders doch früher alles gewesen wäre. Aber was soll ich sagen: Heute bin ich genauso - und das, obwohl ich noch gar nicht so alt bin. Ich denke zum Beispiel mal so zehn, fünfzehn Jahre zurück, als ich zum ersten Mal verknallt war: Ich konnte mit dem Kerl weder über Facebook oder WhatsApp chatten, noch ihm eine SMS oder E-Mail schreiben oder ihn kurz und klammheimlich auf dem Handy anrufen. Nein: Ich musste teilweise stundenlang den geeigneten Moment abwarten, in dem meine Schwester nicht gerade das Telefon belagerte und meine Eltern nicht im Esszimmer saßen, denn genau dort stand das Telefon - und zwar nur dort. Mitnehmen war auch nicht drin, denn das Teil war mit einem Kabel fest in der Wand verankert. Wenn ich Pech hatte, verließ mich in der Zwischenzeit der Mut und aus dem Telefonat wurde nichts - und damit auch nichts aus der Verabredung.
Andererseits: Wenn man sich mal verabredet hatte, musste man auch hin. Egal ob mit dem Schwarm oder mit den Freundinnen: Ein Termin wurde ausgemacht, und der wurde eingehalten. Da war nix mit einer "Komme 10 Min. später"-SMS - wenn ich zehn Minuten später ankam, waren die Mädels eben schon weg. Absagen war komplizierter, und eine Verabredung damit - ich gebe es ja zu - unkomplizierter.
Bleiben wir aber bei kompliziert: Das war das Internet, als es dann endlich auch bei uns zu Hause Einzug hielt. Wieder musste ich warten, bis meine Schwester vom Telefon weg war, denn nur dann konnte ich mit dem Modem online sein. Allerdings nicht so lange, denn das Surfen kostete nicht nur Zeit, sondern auch Telefonkosten, außerdem war während der Zeit die Leitung belegt. Ihr seht schon, auch ich hab mittlerweile auf Familienfeiern was zu erzählen. Wenn da nur nicht die kleinen Cousins wären, die mich dabei genervt anschauen und gähnen. So, wie ich das früher bei den "Alten" auch gemacht habe.

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